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„Ein Beobachter kann nicht sehen, was er nicht sehen kann“

Konrad Winter (Malerei) / 35 Jahre Eboran
Parkring, Wien-2019-125x125
Eröffnung: Mittwoch, 22. Mai 2019, 19 Uhr
Einführung: Dr. Heinrich Schellhorn (LH-Stv.)
Dr. Wolfgang Richter
Ausstellungsdauer: 23. Mai – 14. Juni 2019

„Ein Beobachter kann nicht sehen, was er nicht sehen kann“1

Mit diesem Titel rückt der Beobachter, der Ausstellungsbesucher in den Mittelpunkt. Ohne ihn und seinen Beitrag, einen individuellen Standpunkt zu den Arbeiten zu finden, wären diese sinnlos. Seine Anwesenheit ist in die Konzeption der Ausstellung eingeplant, er kann dabei auch zum Beobachteten werden. Ein Betrachter ist mit einem Werk konfrontiert, das an Schwarzweiss-Fotografie erinnert. Nähert er sich einer Arbeit, kann er erkennen, dass diese gemalt ist. Hochglänzender Zweikomponenten-Autolack ist mit feinen Schriftmalerpinseln aufgetragen, nicht gesprüht. Ein Motiv baut sich aus 8 bis 10 Graustufen auf, die Konturen einer Helligkeitsstufe folgen nicht einem Gegenstand oder einer Figur, sondern nur einem Tonwert.

Reale Fotografien sind über das Medium des Computers so zerlegt, dass sie aus der Nähe als Anreihung abstrakter Flächen gesehen werden. Erst mit etwas Abstand kann man das ursprüngliche Motiv erkennen. Der digitale Charakter spielt auf unsere Erfahrung mit dem Internet an, einem riesigen und permanent verfügbaren Bildspeicher, der die Bildrezeption nachhaltig beeinflusst hat. Digitale bildgebende Verfahren der Wissenschaft sind uns ebenfalls vertraut geworden. Mehrere Informationsebenen sind in einem Bild vereint, das nur scheinbar einen Sachverhalt, eine Momentaufnahme abbildet. Das Kippen einer Bildinformation in eine andere stellt die Frage nach dem Bildinhalt und der Wahrnehmung und untersucht die Struktur.

„Ich reagiere auf die Ästhetik der Gegenwart und antworte darauf mit Material der Gegenwart.“ „Ich sehe meine Arbeiten als reine Malerei, auch wenn sie mit Autolack auf Aluminium gemalt sind.“ „Meine Arbeiten sind nie abgeschlossen – sie sollen offen bleiben für die individuelle Interpretation eines jeden Betrachters – jeder kann sich seine eigene Position, seinen eigenen Standpunkt (im wörtlichen Sinne gemeint) suchen.“

1aus: Niklas Luhmann, Reden und Schweigen

Vergangen

2019