Aktuell Salzburg

la-o-looping – sich windend bis wolkig

gerold tusch
Eröffnung: 20. November 2019, 19 Uhr
Einführung: Wolfgang Richter
Ausstellungsdauer: 21.11. bis 13.12.2019
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 18 bis 20 Uhr

Ausstellungsbeschreibung
In einem Spannungsfeld aus Abstraktion und Erzählung bewegen sich die plastischen Arbeiten von Gerold Tusch. Die vermeintliche Lesbarkeit und Erkennbarkeit auf den ersten Blick erweist sich allerdings als Illusion; nicht eine formvollendete Vase, ein geschwungenes Rankenornament, eine silbrig glänzende Wolke bieten sich dem Betrachter dar, sondern wohl ausgesuchte Details aus einem größeren Gedankenzusammenhang manifestieren sich in den sichtbaren Formen. Tusch sieht Detailformen, seziert in sich geschlossene Sub-Formen heraus, isoliert einen formalen Nukleus aus einem Großen & Ganzen – sein Blick reagiert seismographisch auf stringente Energiekonzentrationen und lässt die Folie, das Umgebende weg. Er überantwortet damit seinen Formen die gesamte narrative Kompetenz, da er ihnen das Ausgebreitete einer inhaltlichen Schilderung verweigert. Seine „Silberwölkchen“ erzählen von der Leichtigkeit des Rokoko, von der Immaterialität eines Himmelsgebildes, von der Aureole einer Erscheinung und gleichzeitig von der Leere im Zentrum, von den Potenzialen des Möglichen, der potenziellen gedanklichen Assoziation. Seine „Festons“, „Frames“, Girlanden und Knospenformen konzentrieren in sich die Darstellung von Körperfragmenten mit erotischen Konnotationen, mit sublimen Hinweisen auf sexuell aufgeladene Schwellungen und pralle Rundungen und sind dennoch in einer Sphäre der Andeutung, der Mehrdeutigkeit angesiedelt. Was nicht ausformuliert wird, ist der Gedankenwelt des Künstlers, des Betrachters überlassen – die sinnliche Formensprache, die super-artikulierte Präsenz der Volumina, die geahnten Hohl- und Innenräume führen in die richtige Richtung, öffnen ein weites, magisch-verführerisches Terrain, in dem das Nicht- Ausformulierte das Eigentliche ist.

Nun also Laokoon. Die Erzählung über den trojanischen Priester und seine Söhne war in der Antike, in der Renaissance seit der Auffindung der Skulpturengruppe nahe von Neros „Domus Aurea“ auf dem Esquilin, das stärkste Bild über den Tod. So ist auch seit dem Historismus jeder immer wieder neu ansetzende Interpretations- und Deutungsansatz auf die Darstellung von Schmerz, Gewalt und den tödlichen Kampf zwischen Mensch und Schlange fokussiert. Gerold Tusch lässt genau diesen kunsthistorischen Background weg und konzentriert sich auf die beiden Schlangen. Er verselbständigt diese Wunderwerke an Energie, Kraft, Flexibilität, Gewalt, Schönheit aus dem historisch- narrativen Zusammenhang und erlaubt ihnen ein reines Dasein in ihrer formalen Präsenz, ihrem schieren Gewicht, ihrer sinnlich-erfahrbaren Oberfläche.

Immer agiert Tusch entlang der Kunstgeschichte, immer jedoch ist er der große Liebhaber der Fehlstellen, der Auslassungen. Er isoliert Formen wie Voluten, Rocaillen, Rosetten, Vasen aus dem Dekorzusammenhang und verleiht ihnen plastische Authentizität. Sein Weg ist der des Zitierens, des Aneignens, Weiterentwickelns und Neu-Deutens, indem er konzentriert und komprimiert – und das Wesentliche aus einem breit angelegten Hintergrund herausformuliert. In den Schlangen des Laokoon sind genau die Biegungen und Windungen der mächtigen Würgetiere beibehalten, die sie im Umschlingen der drei Menschen vorführen, deren Ort und Abwehrbewegung sind jedoch weggelassen: die beiden Schlangen sind die alleinigen Protagonisten.

Mit dieser monumentalen Gruppe erweitert Gerold Tusch sein formales Repertoire um eine Charakteristik, die seinem Werkstoff, Keramik, immanent ist und bisher nicht explizit aufgetreten ist: das Biegsame des Materials, die Flexibilität des Formens und Formulierens, die autonome Gestaltbarkeit der Oberfläche und die sich beinahe verselbständigende Spezifik eines Materials, das sich erst in mehreren Arbeitsschritten aus einzelnen Teilen zu einem Ganzen konstituiert. Hier erweisen sich die abstrakt definierte formale Problematik und deren Symptomatik als intentional bedeutsam und das Objekt kann sich von der ursprünglichen ikonologischen Erzählung gänzlich emanzipieren, bzw. diese als camouflierte Kern-Erzählung völlig autonom artikulieren. Die Schlangen des Laokoon, das „Infinitum“ einer plastischen figura serpentinata, stehen für dieses Spannungsfeld zwischen reiner, kristalliner, abstrakter Form und dem Abbild, welches sich – fern jeder zoologischen Spezieszuordnung – als bedeutsames Fragment und inhaltlicher Sukkus einer in sich wahren visuellen Erzähltradition versteht.

Margit Zuckriegl
Bild: Christian Ecker

Vergangen

2019
Eva Hradil
Gerhard Feldbacher, Nenad Ivic, Daniel Huber
Bernhard Skok
Konrad Winter
Zoe Vitzthum
Sammlung SpallArt

2018
Anneliese Kaar,
Thomas Nowotny
Gabriele Fulterer/Christine Scherrer
Monika Sobotik, Christian Ecker, Erwin Lichtenegger Wolfgang Richter, Matthias Würfel
Sammlung SpallArt

2017
Gabi Rhomako
Heidrun Weiler
Rosmarie Lukasser
Josef Schwaiger
MMA, Klasse A. Phelps Sammlung SpallArt

2016
Emma Weymayr-Kersten, Gertrud Fischbacher
Carmelo di Feo
Christian Ecker
Andrea Bischof
Sammlung SpallArt
Peter Raneburger

2015
Ursula Groser feat Elisabeth Schutting
Fabian Fink
Andrew Phelps
Annelies Senfter
Kunstuni Linz, Klasse M. Hofer mma, Klasse A. Phelps

2014
Paul Divjak
Beppo Pliem
Bernhard Lochmann
Wilhelm Scheruebl
Wolfram Paulus
Alpine Gothic
Janz Franz
Christoph Hitsch
Peter Baldinger

2013
Johann Schwarz
Bodo Hell
Markus Hofer
Peter Dressler
Thomas Klipper
Barbara Huber

2012
Gunda Gruber
Petra Buchegger
Helen Schoene
Dieter Huber

2011
Klaus Pamminger K
urt Kaindl
Erich Gruber
Marianne Lang
Tanja Boukal
Gertrud Fischbacher
Gisela Katzengruber
Wolfgang Richter

2010
Ingrid Schreyer
Pilo Pichler & Sigrid Kofler
Albin & Elisabeth Schutting
TeER (Thorsten Mächtel)
Stefan Heizinger
Nicole Hassler
Barbara Bernsteiner

2009
Barbara Musil
Elisabeth Schmirl
Hans Pollhammer
Monte
Felix Gattner
Martha Scheibelberger, Marion Weiß
Taro Meissner
Siegfried Zaworka

2008
Theresa Greunz
Gisela Heide
Othmar Eder
Almut Rink
Anna Konik
Gabriele Chiari
Katrin Huber

2007
Gabriele Fulterer
Rosemarie Lukasser
Eva Hradil
Sonja Reisenberger
Gregor Eldarb
Bernhard Gwigger
Birgit Pleschberger

2006
Ingrid Starzer
Carmelo Di Feo
Herbert Hofer
Veronika Erhart
Ursula Groser, Karin Grossauer, Sigrid König, Elisabeth Mayerhofer-Schutting
Lynn Schoene & Dara Ola
Christian Ecker

2005
Zos Dewitt
Peter Sommerauer
Günther Stanzer
Bengü Karaduman
Michael Royen
Nancy Davidson, Julie Hayward Höller, Pühringer, Franz Riedl, Markus Hofer, Wendelin Pressl
Max Böhme

2004
Ausstellungsreihe Mozarteum:
Melanie Schiefer, Renate Egger, Helga Gasser
Dieter Huber
Eva Ganot
Claudia Peill
Anne Hille
Gil Shachar

2003
Keramik & Easy
Barbara und Samet Reisinger
Margarete Haberl
Mario JAndrokovich, Nicole Baier
Thorsten Streichardt
Ingrid Schreyer
Büro Josef Böhm (Franz Bergmüller, Ingo Huyer, Hans Pollhammer)
Alix Delmas
Nabila Irschaid

2002
Walter Moroder
Günther Puller
Claudia Pilsl
Helmut Grill
Horst Reichard
Konrad Winter
Benedetta Jacovoni
Dieter Preisl

2001
Sigrid Kurz
Duncan Higgins
Midori Mitamura
Peter Baldinger
Norbert Trummer
Andrea Cusumano
Ingrid Gaier
Hildegund Bachler
Thomas Riess

2000
Wolfgang Richter
Petra Sterry und Guido Hoffmann
Maria Bußmann
Silvia Schreiber
Günther Unterbruger
Peter Raneburger
Bernhard Lochmann
Stefan Heide

1999
Peter Assmann
Jana Wisniewski
Julie Hayward
Caroline Broadhead Bernhard
Tragut Moni
K. Huber
Eva Maria Prokop

1998
Gerold Tagwerker
Petra Egg
Basistage Salzburg
Heiner Kufner
Annette Sense
Annelies Oberdanner
Irina Nakhova
Hannes Franz
Eva Ganot, Andrew Phelps Chloë Braun, Klara Kristalova, Mij Rothera, Elisabeth Wörndl

1997
Joyce Rohrmoser
Reinhold Rebhandl
Gottfried Goiginger
Dieter Deller
Heiner Kufner
Konrad Winter
Ludwig Gerstacker, Johannes Peschl, Stefan Sandner, Hans Schabus
Rainer Iglar
Norbert Brunner
Gerold Tusch

1996
Stefan Ramminger
Johannes Ziegler, Michael Ziegler, Katharina Meynell, Jim Mooney
Gertrude Moser-Wagner
Elisabeth Wörndl
Bele Marx
Eric Lampee- Baumgartner
Franz Pichler
Emma Weymayr, Thomas Kersten
Michael Kienzer, Werner Reiterer
Lotte Seyerl
1995
Maddy Rosenberg
Pascal Wiedemann
Hans Pollhammer, Franz Bergmüller
Klaus Pamminger
Christa Kempf
Konrad Winter, Michael Royen
Max Böhme
Christian Hutzinger
Eva Wagner

1994
Johannes Steidl
Andreas von Weizsäcker
Kurt Kaindl
Günther Unterburger
Gertrud Fischbacher
E.R. Nele, Arthur Zgubig
Frederike und Leopold Immervoll
Miel Deahij
Ulrike Lienbacher
Kai Kuss
Barbara und Samet Reisinger

1993
Christian Lutz
Johann Moser
Petra Moiser
Hanns Otte
Lauren Ewing
Uli Staebner, Hannes Metnitzer
Michael Wesely

1992
Franz Janz
Christian Hutzinger
Herbert Huber, Norbert Gruber
Eva Szarközi-Pusztai
Peter Haas
Laurids Ortner
Wilhelm Scheruebl
Andrew Phelps

1991
Elisabeth Lauf
Dietmar Erlacher
Emma Weymayr – Kersten
Gottfried Goiginger
Jose Vincente Martin, Pablo Menendez
Werner Reiterer
Barbara Höller
Manfred Willmann

1990
Nikolaus Schletterer
Gerold Tagwerker
Klaus Knoll
Dieter Huber
Robert Pfurtscheller

1989
Klaus Reif
Stephen Mathewson
Margarete Haberl
Johannes Ziegler
Rainer Iglar
Ulrike Lienbacher

1988
Monika Drioli
Eva Maria Maier
Beppo Pliem
Elisabeth Moser
Barbara Stummer
Gruppenausstellung mit 24 KünstlerInnen

1987
Josef Schwaiger
Bernhard Gwiggner
Andreas Herok
Gottfried Feldner
Daniela Hörmandinger

1986
Wolfgang Bender
Michael Ziegler
Herman Kremsmayer
Peter Gottsbacher-Walder
Drago Druskovic

1985
Konrad Winter
Michael Maislinger
Steffen Cretella
Petra Moiser
Anton Drioli

1984
Robert Schaberl
Stefan Sonvilla – Wels
Eva Möseneder
Karen Irran